Vanessa Stempel als FENS-Kavli Scholar 2026 ausgewählt

7. Juli 2026

Das FENS-Kavli Network of Excellence (FKNE) hat seine neue Kohorte von 15 FENS-Kavli Scholars für das Jahr 2026 bekannt gegeben. Das Programm zeichnet herausragende Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler der Neurowissenschaften in Europa für ihre wissenschaftliche Exzellenz, Originalität und Führungsqualitäten aus. Zu den Ausgewählten gehört auch Vanessa Stempel, Leiterin einer unabhängigen Forschungsgruppe am Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt.

Das multidisziplinäre und internationale Netzwerk der FENS-Kavli Scholars organisiert sich selbst und verfolgt das Ziel, die Neurowissenschaften in Europa und darüber hinaus durch wissenschaftlichen Austausch, Interessenvertretung und Öffentlichkeitsarbeit voranzubringen. Die FKNE Scholars treffen sich regelmäßig, um Ideen zu neurowissenschaftlichen Themen auszutauschen und gemeinsam Initiativen zu entwickeln – von wissenschaftspolitischen Aktivitäten und der Kommunikation von Forschung an die Öffentlichkeit bis hin zu Projekten zur Stärkung der europäischen Neurowissenschaftsgemeinschaft.

Neuronale Schaltkreise für instinktives Verhalten

Die Arbeitsgruppe von Vanessa Stempel untersucht, wie neuronale Schaltkreise im Hirnstamm von Nagetieren instinktive Verhaltensweisen steuern. Der Forschungsschwerpunkt liegt auf dem periaquäduktalen Grau (PAG) im Mittelhirn, einer Hirnregion, die verschiedene überlebenswichtige Verhaltensweisen auslösen kann, darunter Flucht vor Bedrohungen, die Jagd sowie das Zurückholen von Jungtieren (pup retrieval). Durch die Kombination von ex-vivo-Analysen neuronaler Mikroschaltkreise mit Aufzeichnungen neuronaler Aktivität bei frei beweglichen Mäusen untersucht die Gruppe, wie synaptische, zelluläre und schaltkreisbezogene Mechanismen die flexible Ausführung dieser instinktiven Verhaltensweisen ermöglichen. Darüber hinaus erforscht sie, ob unterschiedliche neuronale Populationen in verschiedenen Verhaltenskontexten ähnliche Funktionen übernehmen können. Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeitsgruppe ist die Frage, wie Veränderungen des inneren Zustands – insbesondere im Verlauf des Fortpflanzungszyklus – die Eigenschaften von Neuronen und Synapsen beeinflussen und dadurch adaptive Veränderungen des Verhaltens bewirken.

Über Vanessa Stempel

Vanessa schloss ihr Bachelorstudium der Biologie in Deutschland und Polen ab, bevor sie nach Großbritannien zog, um an der UCL einen MSc by Research zu absolvieren, bei dem sie ihre Begeisterung für die Neurowissenschaften entdeckte. Anschließend schloss sie sich der Gruppe von Dietmar Schmitz an der Charité Berlin an, um ihre Promotion über zelluläre und synaptische Plastizität im Hippocampus durchzuführen. Diese schloss sie 2015 ab. Ihr Postdoktorat absolvierte sie in der Gruppe von Tiago Branco am MRC Laboratory of Molecular Biology in Cambridge und später am Sainsbury Wellcome Centre (UCL), wobei sie von der Deutschen Forschungsgemeinschaft unterstützt wurde. Im Jahr 2019 erhielt sie den UCL Early Career Neuroscience Prize für die Aufdeckung eines synaptischen Mechanismus, der instinktiven Fluchtentscheidungen zugrunde liegt.

Seit 2021 ist sie unabhängige Forschungsgruppenleiterin am Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt. Im Jahr 2024 erhielt sie einen ERC Starting Grant und ist Mitglied einer europäischen COST-Aktion zur Förderung von „Sex As A Biological Variable” in der biomedizinischen Forschung.

Über das FENS-Kavli Network of Excellence

Das FENS-Kavli Network of Excellence (FKNE) wurde 2014 von der Federation of European Neuroscience Societies (FENS) und der Kavli-Stiftung mit dem Ziel gegründet, herausragende Nachwuchsforschende der Neurowissenschaften in Europa für ihre wissenschaftliche Exzellenz, Originalität und Führungsqualitäten auszuzeichnen. Das multidisziplinäre Netzwerk fördert den wissenschaftlichen Austausch, die Zusammenarbeit, die Interessenvertretung und die Öffentlichkeitsarbeit und bringt aufstrebende Führungskräfte der Neurowissenschaften zusammen, um die Forschung voranzutreiben und die europäische Neurowissenschaftsgemeinschaft zu stärken. Die Stipendiat*innen absolvieren zwei aufeinanderfolgende zweijährige Amtszeiten, bevor sie dem FKNE-Alumni-Netzwerk beitreten.

Weitere interessante Beiträge

Zur Redakteursansicht